Thema der Woche

 

Wie Frauen der Rauchstopp gelingt


Frauen reagieren empfindlicher auf Zigarettengifte. Da sie meist aus anderen Motiven rauchen als Männer, fällt ihnen das Aufhören deutlich schwerer.

Rauchen kostet nicht nur Geld, sondern Lebenszeit. Für Frauen scheint Letzteres umso mehr zu gelten. Wie britische Forscher der Universität Oxford im Ärzteblatt Lancet berichten, gewinnen sie im Schnitt zehn Lebensjahre, wenn sie das Laster vor dem 40. Lebensjahr aufgeben. Frauen reagieren empfindlicher auf die Gifte im Tabak­rauch als Männer. Und da Rauchen die Fruchtbarkeit beeinträchtigt, werden Kinderwunsch-Sprechstun­­­­den überwiegend von Raucherin­nen aufgesucht, sagen Experten. Die gute Nachricht: Etwa ein Jahr nach dem Aufhören entspricht die Fruchtbarkeit wieder der von Nichtraucherinnen, das Risiko chro­­­ni­scher Erkrankungen sinkt deutlich.

Obwohl Frauen vom Ausstieg gesundheitlich also noch mehr profitieren als Männer, fällt er ihnen in der ­Regel schwerer. Sie fürchten häufiger, nicht durchzuhalten. Außerdem leiden sie stärker an Entzugserscheinungen. Auch Nikotinersatzpräparate, die körperliche Entzugssymptome lindern sollen, helfen ihnen laut Experten weniger. Den Grund dafür sehen Ärzte in einer stärker ausgeprägten psychischen Abhängigkeit: Anders als Männer rauchen Frauen weniger zur Anregung, sondern um Stress zu bewältigen und negative Gefühle wie Ärger, Langeweile und Einsamkeit abzubauen.


Angst vor Gewichtszunahme

Oft nutzen sie den Glimmstängel zudem als Appetitzügler und zur Gewichtskontrolle. Wer aufhört, nimmt meist einige Kilo zu. Für viele Frauen ist das Grund genug, weiterzurauchen. Vor allem junge Frauen definieren sich heute sehr über ihr Äußeres. Der so­ziale und innere Druck, bestimmten Anforderungen, Bildern und Vorgaben entsprechen zu wollen, ist viel stärker als früher, wo die Gewichtszunahme als Teil der weiblichen Biografie akzeptiert wurde.

Internationale Studien belegen, dass Frauen am besten auf Therapiemaßnahmen ansprechen, die Stimmungsschwankungen und Gewichtsproble­me berücksichtigen. In Deutschland stehen jedoch abgesehen von einigen Pilotprojekten keine Angebote speziell für Frauen zur Verfügung.

Die größte Schwierigkeit beim Aufhören stellt folglich die Motivation dar: Für entwöhnungsbereite Menschen gibt es heute sehr gute Angebote. Aber drei Viertel aller Raucherinnen sind nicht bereit, ihr Verhalten zu ändern, sagen Wissenschaftler. Für diese Gruppe sind besonders niedrigschwellige Beratungsangebote notwendig.

Rauchfreie Schwangerschaft
Den größten Handlungsbedarf sehen Psychologen bei Schwangeren und jungen Müttern. Etwa 35 Prozent der deutschen Frauen sind zum Zeitpunkt der Empfängnis Raucherinnen. Nicht einmal jede Zweite hört während der Schwangerschaft auf – und jene, die aufhören, halten die Abstinenz selten lange durch. Damit schaden Frauen nicht nur sich selbst, sondern auch dem Ungeborenen: Rauchende Schwangere haben häufiger Komplikationen und bekommen im Schnitt kleinere Kinder. Bei Neu­ge­bo­re­­nen erhöht Zigarettenrauch das Risiko für Atemwegserkrankungen, Al­ler­gi­en und den plötzlichen Kindstod.

Eine Studie zu 600 jungen Müttern, die an einem Entwöhnungsprogramm teilnahmen, zeigt: Die Hälfte der Frauen nahm nach der ­Geburt ihres Kindes an mehrfachen Beratungsgesprächen teil. Die andere Hälfte erhielt lediglich Informationsmaterial. Sechs Monate nach der Geburt rauchten 40 Prozent der berate­nen Frauen nicht mehr, in der Kontroll­gruppe dagegen waren es nur 31 Prozent. Nach einem Jahr gab es in der Beratungsgruppe immer noch weniger Raucherinnen.


Motiviert zum Erfolg

Um Frauen zum Rauchstopp zu bewegen, wollen Forscher die Schwerpunkte auf Werbeverbote, verschärfte Warnhinweise und höhere Tabaksteuern setzen. Entwöhnungsprogramme sind gut und wichtig, aber nur wenig verbreitet. Mehr als 80 Prozent der erfolgreichen Exraucher haben es alleine geschafft. Wer motiviert ist, hat auch ­Erfolg.